Am 14.02.2016 war es soweit - nach 4 Jahren ohne Wettkampfteilnahme gab es geballte (Ilm-)Power beim diesjährigen Rhön-Werra Cup im Kickboxen, veranstaltet von der Kampfsportschule Berk und der WAKO, dem Bundesfachverband für Kickboxen. Erik Ott, Gino Kießling, Michael Marass, Paul Menzel und Philipp Loth gaben ihren Wettkampf-Einstand und hielten "die Fahne" vom Kampfsportzentrum Ilmpower e.V. zusammen mit ihrem Trainer Stefan Kister hoch. Dieser wurde unterstützt von den beiden "alten Hasen" Andreas Hoyer und René Schabacker, wobei letzterer ursprünglich auch beim Wettkampf starten wollte, aber durch eine Erkältung absagen musste. Zusammen mit dem Wettkampfteam reisten auch Trainingskameraden, Freunde und Eltern zur Unterstützung mit an, um ordentlich anzufeuern und moralisch zu stützen.
So groß die Motivation anfangs auch war, wurden gleich zu Beginn die Nerven aller stark strapaziert. Selbst drei Stunden nachdem die Gewichtsklassen und alle Startvoraussetzungen geprüft waren, gab es noch keinen einzigen Kampf. Die Ursache - Technikversagen. Was war los? Um die Abläufe auf Wettkämpfen schneller organisieren und hinterher Ergebnisse einfacher festhalten zu können, wurde der komplette Prozess von der Anmeldung über die Durchführung bis zur Ergebnismeldung Computer-gestützt umgesetzt. Doch die Datenbank verweigerte den Dienst. René Schabacker - vom Beruf Wirtschaftsinformatiker - wurde um Hilfe gebeten und hatte schlußendlich die rettende Idee, so dass die ersten Kämpfe nach einer weiteren halben Stunde dann wie geplant beginnen konnten.
Die Kämpfe im Überblick
Als erster Ilmenauer musste nun Gino auf die Kampffläche. Von Anfang an ging er in die Offensive und setzte die gelernten Techniken konsequent um. Leider konnte sich sein Gegner im Laufe des Kampfes immer besser anpassen und konnte am Ende seine Erfahrung aus mehreren bundesweiten Turnieren nutzen, um mehr Treffer zu landen als Gino.
Ähnlich erging es Erik, der den ganzen Kampf über die schlechte Deckung seines Gegners ausnutzte und über sehr gute Boxkombinationen im In-Fight viele Punkte erzielte, sich am Ende aber geschlagen geben musste, da sein Gegner in der Rückwärtsbewegung immer wieder mit guten Kicks zum Körper und zum Kopf traf.
Den womöglich härtesten Kampf musste anschließend Paul bestreiten. Trotz dass es sich um einen Leichtkontakt-Wettkampf handelte, griff sein Gegner mit voller Härte an. Paul hielt dagegen, versuchte aber immer wieder Ruhe in den Kampf zu bringen. Hier kam es auch zur schlechtesten Kampfrichterleistung des Turniers. Neben anderen Fehlentscheidungen verteilte die Hauptkampfrichterin an beide mehrere Ermahnungen wegen übertriebener Härte und zog am Anfang der zweiten Runde beiden Kämpfern eine Rundenwertung ab. Sie brachte den Kampf aber nicht den Regeln entsprechend unter Kontrolle. Das Highlight des Kampfes war ein perfekter Frontkick von Paul, mit dem er seinen Gegner rückwärts stieß und zu Fall brachte. Trotz der Kampfrichter-Fehlleistung war dieser Kampf für die Zuschauer vermutlich am spektakulärsten, was anschließend mit großem Applaus honoriert wurde.
In der nächst höheren Gewichtsklasse musste Philipp gegen wesentlich größere Gegner antreten. Doch genau das nutzte er aus und zeigte wie Erik sein boxerisches Können im In-Fight. Im Laufe seiner Kämpfe konnte er sich noch steigern und landete nach energischer Aufforderung durch seine Trainer mehr zu kicken sogar Kopftreffer mit den Beinen, was durch ein Raunen im Publikum hörbar für Überraschung sorgte.
Als letzter Kämpfer musste Michael antreten. In einem Kampf der Kolosse trat er mit seinen 114kg gegen seinen 115kg schweren und größeren Gegner an. Auch hier wurde von Anfang die Stärke aller Ilmpower-Kämpfer deutlich - die sehr gute Deckungsarbeit und das boxerische Können. Michael konnte fast alle Angriffe den ganzen Kampf über abblocken. Was ihn den Sieg kostete war letztendlich nur, dass er zu spät die Offensive ergriff, um selbst noch mehr zu punkten.
Stolz auf die Leistung
Insgesamt muss man sagen, dass Ilmpower sich mit 4 Silbermedallien und 1 Bronzemedallie sehr gut präsentiert hat. Der eigentliche Erfolg liegt aber darin, dass keiner aufgegeben hat und die im Training angeeigneten Fähigkeiten in dieser vollkommen neuen, ungewohnten Situation angewendet hat. Das Gefühl und der psychische Druck während eines Kampfes lässt sich schwer mit Worten beschreiben. Auch die körperliche und geistige Anstrengung während der "paar Minuten" ist für Aussenstehende schwer nachvollziehbar. Aber eins muss gesagt werden: Die Leistung der Kämpfer verdient Respekt und als Trainer kann Stefan auf seine Kämpfer und auf sich selbst stolz sein.